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Mendoza wurde 1861 durch ein Erdbeben fast völlig zerstört. Nach dieser Katastrophe handelten die Bewohner oder die Planer der Stadt sehr weitsichtig. Sie schufen große Zwischenräume zwischen den Häuserreihen. Dieser Freiraum wurde neben der Fahrbahn mit breiten, boulevardartigen Gehsteigen und vielen Bäumen gefüllt. Es entstand so viel Raum für Fußgänger und dieser Raum ist bis heute erhalten. Eine Stadt für Fußgänger also, wären da heute nicht die Autofahrer, die nicht viel von Fußgängern halten oder besser gesagt ihnen gegenüber ihre Stärke zeigen müssen.
Wir besichtigten die Stadt dennoch per pedes und begingen einen
klassischen Fehler. Wie alle Latinos (und nicht nur diese) fahren auch
die Argentinier überallhin mit dem Auto. Wenn in einem Reiseführer
erwähnt wird, dass man irgendwohin auch zu Fuß gehen kann, dann
bedeutet das nicht, dass man das auch tut. Langer Rede kurzer Sinn ...
auf den Cerro de la Gloria (einen Aussichtsberg am Rande der Stadt)
geht man nicht zu Fuß, denn der Weg dorthin ist nicht für Fußgänger
geplant!
 Tanken in einem weiten Land
Nach diesem Tag in Mendoza wagten wir uns wieder in die Weiten des
Landes. Das Ziel war Chilecito, ein kleiner Ort in den bereits
erwähnten wenigen Bergen, die nicht zur Cordillera der Anden gehören,
etwa 500 Km nördlich von Mendoza. Schon bald nach Mendoza verändert
sich die Landschaft und wird so, wie sie Jahrtausende vor den
Bewässerungen der Mendozinos für den Weinbau auch ausgesehen haben
muss: flach und steppenhaft und endlos weit. Wir bewegten uns den
ganzen Tag auf der berühmten Ruta 40, die sich vom äußersten Süden
Argentiniens bis hoch in den Norden etwa 5000 Km entlang der Anden
durch das Land erstreckt. Die Route wird heute touristisch vermarktet
und gilt als sehr abenteuerlich. Der Teil, den wir an diesem Tag
befuhren, ist wohl eher die Aussnahme ... endlose lange Geraden, alles
asfaltiert. Die Landschaft, die uns begleitete, hat allerdings auch
seinen Reiz. Die weite Steppe wird immer wieder durch kräftig rot
gefärbte Hügel begleitet und auf dem blauen Himmel zeigten sich zur
Freude der Fotografen ein paar sehr dekorative Wölkchen. Etwa 200 Km
vor unserem Ziel wurde es dann endlich ein wenig spannend. Nach einer
längeren Schotterstrecke stahen wir plötzlich vor einem reisenden Bach.
Ich konnte endlich meine Erfahrungen aus Island :-) zur praktischen
Anwendung bringen: große Steine in hohem Bogen in die Strömung werfen
und lauschen, wann sie auf den Untergrund treffen. Als ich nach dem
Aufprall der Steine fast noch die Spitzen aus dem Wasser ragen sah,
wusste ich, dass hier keine unüberwindbare Barriere vor uns lag. Ich
ging also zu Fuß durch das Wasser und klaubte die Steine wieder heraus,
weil sie sonst wohl das größte Hindernis dargestellt hätten :-) Naja,
für meinen Vater, der am Steuer saß und meine Mutter und Heike, die
auch noch im Auto saßen, war es doch der bisherige abenteuerliche
Höhepunkt.  Die Cuesta de Miranda Eine weitere Schotterstraße führte uns durch die Cuesta de
Miranda, ein weiteres rot gefärbtes Tal, das bestimmt nur ganz wenige
Gäste sieht, führte uns an das Ziel unserer Tagesetappe, zur Finca del
Paiman in Chilecito. Auch wenn wir an diesem Tag nicht viel Bewegung
hatten, waren wir doch alle sehr erschöpft und freuten uns auf eine
Nacht in ruhiger, idyllischer Umgebung. Als wir erfuhren, dass in der
Stadt gerade Carneval gefeiert wurde, waren wir froh, dass unsere
Unterkunft etwas außerhalb war.
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