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 Talampaya Mit meinen Berichten bin ich ja schon wieder tagelang hinten nach und es werden wohl auch ein paar Lücken bleiben. Heute ist wieder einmal so ein Tag, an dem das Schreiben leicht fällt und Spaß macht. Wir sind in Cachi angekommen, einem Ort auf knapp 2500m schon ziemlich weit im Norden von Argentinien. Hier haben wir uns in der Estancia "Samay Huasi" einquartiert, was auf Quechua soviel wie "Unser Haus" oder "Unser Dorf" heißt. Mich würde es nicht stören, wenn es "mein" Haus wäre. Die Gegend ist ein kleines Paradies. Nachdem wir gestern wieder viele Kilometer durch das eher trockene Tal Valle Calchaquies zurückgelegt haben, ist dieser Ort eine unerwartete Abwechslung. So sitze ich nun auf der Veranda eines ehemaligen Hofes, blicke in ein grün bewachsenes Tal mit Pferde- und Kuhherden und Pappeln, die einem ein wenig das Gefühl von Toskana vermitteln. Ein guter Ort für ein wenig Entspannung nach bereits knapp 3500 Km Fahrt.
Um die Chronologie nicht ganz über den Haufen zu werfen gehe ich doch
noch einen Schritt zurück zum letzten Ort, in dem wir auch "auf dem
Land" gewohnt haben ... Chilecito ... Eigentlich war dort ja auch eine
kleinere Wanderung geplant. Der Tag war aber ziemlich heiß und die
Gegend sah auch sehr trocken aus. Wir änderten also kurzerhand den Plan
und besichtigten ein Museum. Anfang des 20. Jahrhunterts war Chilecito
eines der Zentren des Argentinischen Goldrausches. Mit ausländischem
Kapital und Know-How (aus England und Deutschland) wurde eine 35 Km
lange Seilbahn gebaut, um das in den Bergen abgebaute Gold und Silber
ins Tal und von hier per Bahn an die Küste zu transportieren. Da
bereits bald nach der Eröffnung der Seilbahn (1908) der erste Weltkrieg
ausbrach, wurd ein Großteil des abgebauten Reichtums in
Kriegsgerätschafte investiert. Nach dem Krieg, ab 1926, wurden in
Argentinien viele Firmen nationalisiert, vor allem jene, die mit dem
Abbau von Rohstoffen beschäftigt waren - genau das, was heute wieder in
Venezuela, Bolivien und auch Ecuador passiert. Chilecito verlor an
Wichtigkeit und 1928 wurden die Tätigkeiten hier eingestellt. Die
Seilbahn wurde einfach stillgelegt. Erst im Jahr 1982 wurden die
Bewohner der Region wieder darauf aufmerksam und mussten sich zwischen
Verkauf und Erhaltung entscheiden. Sie entschieden sich für den Erhalt
und gründeten ein Museum. Aus Sicherheitsgründen konnte die Seilbahn
nicht direkt für touristische Zwecke genutzt werden ... leider, wie ich
feststellen musste. Ich hätte mich gerne in einen dieser Metallkörbe
gesetzt, um damit 35 Km einen Berg rauf zu fahren :-)
 Industriefreidhof in Chilecito
Nach Chilecito ging´s in den Nationalpark Talampaya. Bei brennender
Hitze machten wir eine Tour durch beeindruckende Felsformationen. Worte
sind dafür wohl nicht so geeignet wie Bilder, darum verweise ich euch
an dieser Stelle auf die Fotos.
Vom Nationalpark ging die Reise weiter nach La Rioja, wo wir
übernachten wollten. Kurz vor Rioja kontrollierte wieder einmal die
Polizei. Wir sind ja mit einem Mietauto unterwegs und natürlich ist da
alles ganz legal ... sollte man meinen. Als "Autopapiere" gibt es hier
ein Carnet Verde, also eine grüne Karte. Unsere Karte ist im Dezember
letzten Jahres abgelaufen. Das scheint die Polizei hier aber nicht zu
stören. Ode ist das einfach OK? Ist die Gültigkeit nur ein Richtwert
und bekommt man erst Probleme, wenn man zu weit darüber ist? Keine
Ahnung. Ich find´s mit der Polizei immer recht lustig. Mein
Führerschein wird ja auch immer kontrolliert und ich weiß nicht genau,
was sie hier lesen. Meinen Namen? Mein Gebutrsdatum? Die Gültigkeit :-)
? Einmal hat mich ein Polizist gefragt, wann mein Führerschein abläuft.
Als ich ihm antwortete, dass der gar nicht abläuft, war er etwas
verwundert und fragte, was denn wäre, wenn mir eine Hand abfiele. Ich
war im ersten Moment etwas verwundert und zog meine Hand, die "lässig"
am Fenster lag, gleich zurück. Dann aber antwortete ich, dass ich dann
wohl eh zum Arzt ginge. Damit war er offensichtlich zufrieden. Ein
anderer verabschiedete sich nach einer längeren Unterhaltung in
Spanisch in "bestem" Englisch: "You are welcome, goodbeye!".
Unsere nächste Station war Tafi del Valle, ein Urlaubsort in den Bergen
für die Schickeria von Tucumán (meine persönliche Interpretation, muss
ich dazu sagen). Kurz bevor wir dort ankamen, hatten wir unsere erste
Reifenpanne. Der Ort an sich liegt in einem sehr schönen Bergkessel mit
See. Leider hatten wir Regen und so blieb die Umgebung meist in Wolken
versteckt. "Leiders" gab es hier mehrere, so wollten wir uns in einem
Quartier einmieten, das etwas außerhalb der Stadt war. Leider hat das
mit der Reservierung nicht ganz so geklappt. Emails sind angeblich
geschickt worden, allerdings nie angekommen (sie waren bei genauerer
Betrachtung dann doch im Posteingang). Der Pool, der so schön auf der
Website zu sehen war, war leider gerade unbenutzbar ... ok, das Wetter
war auch nicht ganz danach. Und dann war da noch die Rally, die gerade
an diesem Wochenende in Tafi del Valle stattfinden sollte. Viele haben
diese Gelegenheit dazu genutzt gleich noch ein paar Runden mehr mit
ihren Super-Autos zu drehen. Alles in allem etwas durchwachsen würde
ich meinen. Dafür haben wir die besten Humitas (Maistaschen mit
köstlicher Füllung) gegessen, Sebastián konnte endlich wieder einmal
Steine ins Wasser werfen und es gab Frühstücksbuffet.
Nach 2 Tagen verließen wir Tafi nicht wirklich wehmütig und machten uns
auf den Weg nach Quilmes, die größte Ausgrabungstätte Argentinies aus
präkolumbianischer Zeit. In der Blütezeit der Stadt haben hier mehr als
5000 Leute gewohnt. Die Spanier hatten es mit den Bewohnern der Stadt,
die wie ein Fort angelegt war, auch nicht leicht. Sie brauchten mehr
als 100 Jahre, um sie endgültig zu besiegen. Danach waren sie richtig
sauer auf die Leute, teilten ihren Anführer in mehrere Teile, die sie
dann an verschiedenen Orten öffentlich zur Schau stellten, und trieben
sie quer durch das ganze Land bis nach Buenos Aires, knapp 1500
Kilometer entfernt. Viele Ältere sowie Frauen und Kinder überlebten den
Marsch nicht (wie so oft stelle ich mir wieder einmal die Frage, was
denn eigentlich der Unterschied zwischen den "Wilden" und der
"Zivilisation" ist?). Noch heute ist ein Viertel in Buenos Aires
Quilmes benannt und beherbergt heute auch eine der größten Brauereien
des Landes. Die Quilmes leben also weiter, wenn auch nur in Form eines
Bieres.So, nun komme ich schon fast zum Ende dieses Berichtes. Nachdem
wir also ein wenig argentinische Geschichte kennen gelernt haben,
begaben wir uns wieder in die Neuzeit und fuhren weiter bis Cafayate,
der Heimat des berühmten Torrontés, einem Weißwein, der der Region
viele riesige Bodegas gebracht hat.  Steinige Kilometer auf der Ruta 40 Früher war Cafayate das große
Zentrum des argentinischen Weinbaus. Als aber in Mendoza begonnen
wurde, Wein anzubauen, verlor die Region viel an Attraktivität für den
Weinbau. Heute hat sie sich von diesem Schock bereits wieder erholt und
profitiert vor allem von einer sehr attraktiven Umgebung und einem sehr
lebendigen Zentrum, das auch für Touristen einiges zu bieten hat. Rund
um die Plaza gibt es jede Menge Cafés und Restaurants. Wein und Kultur
mischen sich in Bodegas und Geschäften. Kurz nach Cafayate verließen wir
wieder einmal die asphaltierten Wege und durchquerten das Valle
Calchaquies auf einer Piste, die uns auf über hundert Kilometern
ordentlich durchrüttelte. Eine faszinierende Lanschaft und einige
Fotomotive entschädigten uns für die Strapazen. Hier schließt sich der
Kreis. Ich sitze noch immer auf der Veranda von Samay Huasi. Jetzt
werde ich sie aber für kurze Zeit verlassen und mich ins kühle Nass des
Schwimmbads schmeißen ... kann das Leben schöner sein? :-)
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