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 Sunday, 5. September 2010
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Ihr befindet euch auf der kleinen, aber feinen privaten Website von Roland Dunzendorfer.
Da ich selbst ein etwas anderes Verständnis von Ordnung, Regelmäßigkeit und Dauerhaftigkeit habe, kann ich nicht garantieren, dass die Seite ordentlich funktioniert, regelmäßig upgedatet wird oder dauerhaft online ist. Die, die sich hierher verloren haben soll das nicht weiter stören. Denn die meisten wissen genau, wonach sie suchen.

Immer weiter in den Norden

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Talampaya
Mit meinen Berichten bin ich ja schon wieder tagelang hinten nach und es werden wohl auch ein paar Lücken bleiben. Heute ist wieder einmal so ein Tag, an dem das Schreiben leicht fällt und Spaß macht. Wir sind in Cachi angekommen, einem Ort auf knapp 2500m schon ziemlich weit im Norden von Argentinien. Hier haben wir uns in der Estancia "Samay Huasi" einquartiert, was auf Quechua soviel wie "Unser Haus" oder "Unser Dorf" heißt. Mich würde es nicht stören, wenn es "mein" Haus wäre. Die Gegend ist ein kleines Paradies. Nachdem wir gestern wieder viele Kilometer durch das eher trockene Tal Valle Calchaquies zurückgelegt haben, ist dieser Ort eine unerwartete Abwechslung. So sitze ich nun auf der Veranda eines ehemaligen Hofes, blicke in ein grün bewachsenes Tal mit Pferde- und Kuhherden und Pappeln, die einem ein wenig das Gefühl von Toskana vermitteln. Ein guter Ort für ein wenig Entspannung nach bereits knapp 3500 Km Fahrt.

 

Um die Chronologie nicht ganz über den Haufen zu werfen gehe ich doch noch einen Schritt zurück zum letzten Ort, in dem wir auch "auf dem Land" gewohnt haben ... Chilecito ... Eigentlich war dort ja auch eine kleinere Wanderung geplant. Der Tag war aber ziemlich heiß und die Gegend sah auch sehr trocken aus. Wir änderten also kurzerhand den Plan und besichtigten ein Museum. Anfang des 20. Jahrhunterts war Chilecito eines der Zentren des Argentinischen Goldrausches. Mit ausländischem Kapital und Know-How (aus England und Deutschland) wurde eine 35 Km lange Seilbahn gebaut, um das in den Bergen abgebaute Gold und Silber ins Tal und von hier per Bahn an die Küste zu transportieren. Da bereits bald nach der Eröffnung der Seilbahn (1908) der erste Weltkrieg ausbrach, wurd ein Großteil des abgebauten Reichtums in Kriegsgerätschafte investiert. Nach dem Krieg, ab 1926, wurden in Argentinien viele Firmen nationalisiert, vor allem jene, die mit dem Abbau von Rohstoffen beschäftigt waren - genau das, was heute wieder in Venezuela, Bolivien und auch Ecuador passiert. Chilecito verlor an Wichtigkeit und 1928 wurden die Tätigkeiten hier eingestellt. Die Seilbahn wurde einfach stillgelegt. Erst im Jahr 1982 wurden die Bewohner der Region wieder darauf aufmerksam und mussten sich zwischen Verkauf und Erhaltung entscheiden. Sie entschieden sich für den Erhalt und gründeten ein Museum. Aus Sicherheitsgründen konnte die Seilbahn nicht direkt für touristische Zwecke genutzt werden ... leider, wie ich feststellen musste. Ich hätte mich gerne in einen dieser Metallkörbe gesetzt, um damit 35 Km einen Berg rauf zu fahren :-)

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Industriefreidhof in Chilecito
Nach Chilecito ging´s in den Nationalpark Talampaya. Bei brennender Hitze machten wir eine Tour durch beeindruckende Felsformationen. Worte sind dafür wohl nicht so geeignet wie Bilder, darum verweise ich euch an dieser Stelle auf die Fotos.

Vom Nationalpark ging die Reise weiter nach La Rioja, wo wir übernachten wollten. Kurz vor Rioja kontrollierte wieder einmal die Polizei. Wir sind ja mit einem Mietauto unterwegs und natürlich ist da alles ganz legal ... sollte man meinen. Als "Autopapiere" gibt es hier ein Carnet Verde, also eine  grüne Karte. Unsere Karte ist im Dezember letzten Jahres abgelaufen. Das scheint die Polizei hier aber nicht zu stören. Ode ist das einfach OK? Ist die Gültigkeit nur ein Richtwert und bekommt man erst Probleme, wenn man zu weit darüber ist? Keine Ahnung. Ich find´s mit der Polizei immer recht lustig. Mein Führerschein wird ja auch immer kontrolliert und ich weiß nicht genau, was sie hier lesen. Meinen Namen? Mein Gebutrsdatum? Die Gültigkeit :-) ? Einmal hat mich ein Polizist gefragt, wann mein Führerschein abläuft. Als ich ihm antwortete, dass der gar nicht abläuft, war er etwas verwundert und fragte, was denn wäre, wenn mir eine Hand abfiele. Ich war im ersten Moment etwas verwundert und zog meine Hand, die "lässig" am Fenster lag, gleich zurück. Dann aber antwortete ich, dass ich dann wohl eh zum Arzt ginge. Damit war er offensichtlich zufrieden. Ein anderer verabschiedete sich nach einer längeren Unterhaltung in Spanisch in "bestem" Englisch: "You are welcome, goodbeye!".

Unsere nächste Station war Tafi del Valle, ein Urlaubsort in den Bergen für die Schickeria von Tucumán (meine persönliche Interpretation, muss ich dazu sagen). Kurz bevor wir dort ankamen, hatten wir unsere erste Reifenpanne. Der Ort an sich liegt in einem sehr schönen Bergkessel mit See. Leider hatten wir Regen und so blieb die Umgebung meist in Wolken versteckt. "Leiders" gab es hier mehrere, so wollten wir uns in einem Quartier einmieten, das etwas außerhalb der Stadt war. Leider hat das mit der Reservierung nicht ganz so geklappt. Emails sind angeblich geschickt worden, allerdings nie angekommen (sie waren bei genauerer Betrachtung dann doch im Posteingang). Der Pool, der so schön auf der Website zu sehen war, war leider gerade unbenutzbar ... ok, das Wetter war auch nicht ganz danach. Und dann war da noch die Rally, die gerade an diesem Wochenende in Tafi del Valle stattfinden sollte. Viele haben diese Gelegenheit dazu genutzt gleich noch ein paar Runden mehr mit ihren Super-Autos zu drehen. Alles in allem etwas durchwachsen würde ich meinen. Dafür haben wir die besten Humitas (Maistaschen mit köstlicher Füllung) gegessen, Sebastián konnte endlich wieder einmal Steine ins Wasser werfen und es gab Frühstücksbuffet.

Nach 2 Tagen verließen wir Tafi nicht wirklich wehmütig und machten uns auf den Weg nach Quilmes, die größte Ausgrabungstätte Argentinies aus präkolumbianischer Zeit. In der Blütezeit der Stadt haben hier mehr als 5000 Leute gewohnt. Die Spanier hatten es mit den Bewohnern der Stadt, die wie ein Fort angelegt war, auch nicht leicht. Sie brauchten mehr als 100 Jahre, um sie endgültig zu besiegen. Danach waren sie richtig sauer auf die Leute, teilten ihren Anführer in mehrere Teile, die sie dann an verschiedenen Orten öffentlich zur Schau stellten, und trieben sie quer durch das ganze Land bis nach Buenos Aires, knapp 1500 Kilometer entfernt. Viele Ältere sowie Frauen und Kinder überlebten den Marsch nicht (wie so oft stelle ich mir wieder einmal die Frage, was denn eigentlich der Unterschied zwischen den "Wilden" und der "Zivilisation" ist?). Noch heute ist ein Viertel in Buenos Aires Quilmes benannt und beherbergt heute auch eine der größten Brauereien des Landes. Die Quilmes leben also weiter, wenn auch nur in Form eines Bieres.So, nun komme ich schon fast zum Ende dieses Berichtes. Nachdem wir also ein wenig argentinische Geschichte kennen gelernt haben, begaben wir uns wieder in die Neuzeit und fuhren weiter bis Cafayate, der Heimat des berühmten Torrontés, einem Weißwein, der der Region viele riesige Bodegas gebracht hat.

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Steinige Kilometer auf der Ruta 40
Früher war Cafayate das große Zentrum des argentinischen Weinbaus. Als aber in Mendoza begonnen wurde, Wein anzubauen, verlor die Region viel an Attraktivität für den Weinbau. Heute hat sie sich von diesem Schock bereits wieder erholt und profitiert vor allem von einer sehr attraktiven Umgebung und einem sehr lebendigen Zentrum, das auch für Touristen einiges zu bieten hat. Rund um die Plaza gibt es jede Menge Cafés und Restaurants. Wein und Kultur mischen sich in Bodegas und Geschäften. Kurz nach Cafayate verließen wir wieder einmal die asphaltierten Wege und durchquerten das Valle Calchaquies auf einer Piste, die uns auf über hundert Kilometern ordentlich durchrüttelte. Eine faszinierende Lanschaft und einige Fotomotive entschädigten uns für die Strapazen. Hier schließt sich der Kreis. Ich sitze noch immer auf der Veranda von Samay Huasi. Jetzt werde ich sie aber für kurze Zeit verlassen und mich ins kühle Nass des Schwimmbads schmeißen ... kann das Leben schöner sein? :-)


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Letzte Aktualisierung ( Saturday, 3. March 2007 )
 
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