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Die Rote Kiste (AEIOU ++ 2003.2)

Die Rote Kiste

hallo ihr!

viel zeit ist vergangen seit dm letzten mail und dementsprechend viel ist auch passiert. heike ist letzte woche hier in quito angekommen und das ist natürlich das schönste, was in diesen letzten wochen passiert ist. nach ihrer ankunft sind wir gleich einmal nach coca gefahren, damit sie auch den ort kennenlernt, in dem wir die nächsten beiden jahre verbringen werden.

nun aber zuerst zu einer anderen geschichte: das senden von zusatzgepäck nach ecuador, hat mir klargemacht, was "tramites" (amtshandlungen) hier bedeuten. wer sich an die "walkman-geschichte" erinnert, dem kommt das, was jetzt kommt, vielleicht bekannt vor.
zur vorgeschichte: bei meinem auszug aus wien habe ich bald bemerkt, daß einige sachen nicht mehr in meine reisekisten passen. also packe ich sie in eine andere kiste. samt einigen dingen von heike machte diese kiste stattliche 65 kg aus. von wien nach quito mit klm transportiert gab es keine probleme. doch dann geht es los: am tag der ankunft versuche ich die kiste aus dem zoll zu bekommen. doch ich stehe schon bei der ersten stelle an. die kiste wird zuerst einmal von klm cargo aufgenommen und dann ins lager gebracht. es ist also besser erst am nächtsen tag wieder zu kommen. der nächte tag ist aber der samstag. also erst am montag wieder. jeder tag im lager kostet natürlich. ich also zurück ins büro von horizont3000. dort wird mir erklärt, daß es ohne dem neuen visum, oder besser ohne der identifikationskarte, die wir hier bekommen, schwierig wird, die kiste aus dem zoll zu bekommen. denn wir sind derzeit hier nur touristen. und touristen müssen natürlich zahlen für alles, was sie importieren wollen - auch für gebrauchte dinge. die id-karte bekommen wir aber vielleicht erst in 3 monaten, weil unsere verträge derzeit noch in österreich sind - die braucht man für das ändern des visum - und außerdem die neue regierung dabei ist einiges zu verkomplizieren. wenn die kiste nun aber so lange im lager ist (dort bezahlt man zw. 3 und 5 USD pro tag), dann wird das teuer.
am wochenende erzähle ich das alejandro, dem hausherrn meiner unterkunft hier in quito. er erzählt, daß er einen freund hat, der im zoll arbeitet.
plötzlich sind alle türen weit offen. hinter diesen türen gibt es viel "freundschaft im anzug". der satz, den ich an diesem tag am öftesten höre ist: "hermano, espera un rato, haga me un favor!?", was soviel bedeutet, wie "tu mir einen gefallen". danach verschwinden die herren im anzug wieder hinter einer anderen tür. endlose bewegung und derart viele leute hier im zollhaus, daß man sich wie am bahnhof fühlt. freundschaft wird hier großgeschrieben, denn nur so kommt man zu etwas. wir sind nun auch in diesem prozeß. wir erledigen die bürokratie in 2 tagen und am donnerstag können wir die kiste abholen. hier beginnt nun allerdings eine lustige odysee.
ich muß hier versuchen eine kleine zeichnung einzufügen, um das auch bildlich darzustellen:

 

                                x3
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        |                                    |
        |                       3           |
        |                                    |
        |                                    |
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        |                           v       |
        |                           2      |
 x2                                        |
        |     1                            |
        ----   ------------------------
            x1

 


das soll ein zimmer darstellen. ich hoffen ihr könnt das alles fehlerfrei sehen. x1-x3 sind jeweils ich und alejandro, in zeitlicher reihenfolge unseres "austretens". 1-3 sind beamte des zolllagers.
wir kommen als erstes zu 1 und fragen, wo denn das lager nummer 1 ist, denn dort wurden wir hinverwiesen. die frage sollte eigentlich rethorisch sein, denn wir haben im fenster des büros schon gelesen, daß hier das lager 1 ist.
der "beamte" schüttelt den kopf und sagt, er weiß es nicht, aber wir sollten doch einfach ums eck bei beamten 2 fragen. wir gehen also weiter und betreten das "nächste" büro, so dachten wir zumindest. ich stoße alejandro an und sage, daß wir nun wieder im gleichen büro sind, nur eben von einer anderen seite. der beamte 1 saß quasi vor uns. wir fragen nun also beamten 2, was wir tun soll. er schaut unsere papiere an und nickt zustimmend. das macht dann wohl beamter 3!! wir also weiter, wieder ums eck, zu beamten 3. der schaut die papiere wieder durch (insgesamt vier blätter und das alles in vierfacher ausführung). dann schüttelt er den kopf und meint, daß hier ein stempel fehlt. wir sind etwas verwundert, da wir doch dahcten, daß alles erledigt sei. beamter 3 meint, den stempel bekommen wir von beamten 2. alejandro und ich wechseln kurz einen blick und grinsen...... klar, zurück also zu beamten 2. der sieht sich die papiere noch einmal an, redet mit einem kollegen und öffent dann eine tür ...... ins büro von beamten 3 ...... ich muß mich sehr zurückhalten, damit ich nicht lache, schaue zu alejandro, der auch schon grinst ....... die beamten verhandeln, einer meint, "den stempel gibt es nicht", der andere meint, "aber den bracuhen wir", der einen wieder, "bitte, nicht so kleinlich, die herren haben alle dokumente". also, keinen stempel. wir wieder zu beamten 3. der tut so, als hätten wir nicht gemerkt, daß die beamten gerade unter einander gesprochen haben und gibt uns zu erkennen, daß das nun doch ok geht.
nun wird uns ein wachsoldat zur seite gestellt und wir gehen ins lager (übrigens für kühlgüter für den export - keine ahnung, was meine kiste dort macht). ich sehe die kiste und will gleich hin. aber nein, der wachmann hält mich auf. zuerst muß ich alle formulare ausfüllen und natürlich für das lager bezahlen. dann muß die kiste in die ankunfsthalle um sie zu öffenen und von den zollbeamten dort kontrollieren zu lassen. nun stellt sich die frage, wie man eine kiste von 65 kg quer über den ganzen flugplatz schleppt.
nach kurzer verhandlung darf alejandro mit seinem auto kommen und die kiste transportieren. natürlich muß jeweils bei der einfahrt und bei der ausfahrt eine gebühr bezahlt werden. zum glück ist die nicht hoch.

die kiste war also heraussen. natürlich trat die frage auf, ob das nun korruption war, oder nicht? die frage wurde bald geklärt, als mir jemand erklärt hat, was unser "freund" gemacht hat. er hat einen antrga geschrieben, daß die kiste aus dem zoll geholt wird und mir übergeben wird. das ist der normale weg. diesen antrag kann nur eine trametor schreiben, also einer, der die amtshandlungen ausführen kann. der antrag muß dann von einigen leute gelesen und abgestempelt werden. all diese handlungen dauern natürlich lange und werden von den herren in den anzügen gemacht. für gewöhlich bezahlt man so eine tramitor nicht, sondern das ist inkludiert in das geld fürs lager und geld für eine abholnummer, die man bekommt. wenn dieser trametor aber schnell arbeiten soll, dann kostet das natürlich.
schnell heißt in wenigen tagen oder wochen. gewöhnlich sind diese trametores eben "freunde im anzug" und nur so funktioeniert die sache. ich wurde also als "nicht schuldig" freigesprochen :-)

tja. das war die "rote kiste".

kursz noch zu coca. heike ist also angekommen und wir sind kurz danach nach coca gefahren. dort haben wir 5 tage im strahlenen tropischen sonnenschein verbracht. coca liegt ja an einem fluß und in dieser jahrezeit gibt es an diesem fluß auch einen schönen strand. den haben wir natürlich auch genossen. heike ist dabei sich einen job auf der uni hier in quito zu suchen. dazu müssen wir auch noch einige dokumente besorgen.
"amtsgeschichte" wird es also noch einige geben. ich selbst werde vielleicht auch als beamter in coca einige produzieren.

soviel für diesesmal. ich hoffe euch gehts auch so gut wie mir. liebe grüße roland

ps: neue fotos gibt es auch von ein paar ausflügen - look -


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DI roland dunzendorfer
c/o Horizont3000
Sevilla 142 y Guipuzcoa
"La Floresta"
Apto.17-03-911A
Quito
Ecuador
mob./cel.: +593(0)97 706094
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http://www.dunzendorfer.at
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© DIeRDe


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