COCA - Die Ankunft
Schluszendlich bin ich doch angekommen. nach all der vorbereitung (insgesamt 6 monate, puuuh) bin ich am 24.maerz nach coca aufgebrochen. und hier bin ich nun, hab in der zwischezeit auch schon ein kleines haeuschen - in das ich aber erst einziehen kann, wenn es fertig ist und das ist ... mañana ... morgen :-) , das hoere ich allerdings schon seit mittlerweile 4 wochen, schrecklich. - und auch 2 kleine hunden. vo 2 wochen habe ich mir 2 kleine schaefer besorgt. beide sind 2 monate alt und supersuesz (photos demnaechst). heike ist ja nicht so ein hundefan, aber wie sie die beiden gesehen hat, da haben ihre augen auch ein bisschen geglaenzt. die beiden sind leider noch nicht ganz stubenrein und so heiszt es staendig fleiszig putzen und moeglichst oft rausgehen, was kein problem ist, weil die tuer eh meist offen ist. so, ich fang aber schon wieder hinten an. zurueck zum anfang, zur uebersiedelung. uebersiedelt bin ich nach coca vorlaeufig ein mal ins hotel. von horizont gab es keinerlei hilfe bei der wohnungssuche, obwohl sie seit vielen jahren hier in coca projekte haben und jede menge kontakte (kommt das irgendjemandem im fernen afrika, papuaneuguinea oder im nahen lateinamerika bekannt vor?). ich muszte also vom hotel aus suchen, was kein problem war, weil es zu beginn noch nicht soviel arbeit gab. ein problem stellte sich dann aber bald ein und das war das limit fuer die miete, das horizont3000 fuer ecuador kalkuliert. ecuador ist aber nicht eine stadt, sondern ein denkbar ungleiches land. in coca sind die preise ungleich hoeher als in quito, was ich schnell bemerken muszte. mit dem mietlimit hatte ich also einen stein am bein, den ich nur loswurde indem ich es einfach akzeptierte, dasz ich ein weneig draufzahle. nach 2 wochen suche habe ich dann etwas gefunden und bin nach quito zurueck, um die moebel abzuholen, die ich von einem kollegen, der seinen einsatz hier beendet hat, gekauft habe. die besitzerin vom haus hat mir versprochen, dasz das haus bis zu meiner rueckkehr fertig ist. ich hatte so meine zweifel und die haben sich dann auch bestaetigt. als ich einige tage spaeter um 10 uhr abends nach einer fast 12 stuendigen fahrt mit all meinen moebeln vor dem haus stand, muszte ich feststellen, dasz gar nichts geschehen war. nicht ganz unerwartet, wie gesagt, aber etwas unpraktisch doch. ich also zur besitzerin und nun die frage, wohin mit den moebeln. der fahrer des lkws wollte natuerlich auch schluszmachen und bald nach quito zurueckkehren. die besitzerin bot mir also an die moebeln in die bar von einer freundin zu stellen. ich war etwas ueberrascht, denn mir war klar, dasz ich noch mehrere tage lang nicht ins haus kann. aber das war kein problem. die sicherheit dort muszte ich mit einem geshlossenen auge nehmen. nach 4 tagen wurde mir dann ein anderes haus als uebergangsloesung angeboten. gleich in der nachbarschaft des meinigen. als ich die tuer des hauses oeffnete, hat es mich gleich einmal zurueckgeworfen, denn es hat unglaublich nach moder gerochen. eine rohrleitung war gebrochen. war das vielleicht der grund, wieso die vormieter wieder ausgezogen waren? auszerdem war es unheimlich dreckig. zum glueck habe ich schon einige freunde hier und so rueckte am nachmittag ein putztrupp von 4 mann/frau an um mir zu helfen. nach 4 stunden hatten wir das haus in einem bewohnbaren zustand. heute, fast 3 wochen spaeter, wohne ich noch immer in diesem haus und kann mich noch immer nicht so richtig eingewoehnen. es ist eben doch nicht meines. vorletzten donnerstag muszte ich dann zu allem ueberflusz noch von meinem bett in die kueche nahezu schwimmen ;-) in der nacht hat es starke unwetter gegeben und das haus war ueberschwemmt. auch an das habe ich mich bereits gewoehnt, denn es renet staendeig bei starkregen ins haus. nich nur bei den fenstern, sondern auch ueber die waende, die voellig durchnaesst sind. die besitzerin sagt, dasz das das material ist. ein bekanntes problem also :-o . wenn es also zu regnen beginnt, dann breche ich gleich zum katastrophendienst auf, um das shlimmste zu verhindern. ich hab schon ueberlegt, ob ich all die moebel mit seilen an der decke festmache. im anderen haus (das einmal, hoffentlich, meines sein wird!!!) war es bisher trocken. doch gestern ist auch hier wasser eingedrungen. nicht durch fenster und waende, sondern durch das dach, was noch schlimmer ist, denn das laeszt sich schwer kurzfristig abdecken. ich koennte noch seitenlang ueber die unterkuenfte schreiben, aber das lasz ich dann wohl. vielleicht gibt es ja auch bei den naechsten mails noch neue kapitel. ueber die arbeit gibt es auch einiges zu sagen. letzte woche fand hier in coca das fest von coca statt. die stadt war völlig verändert. es gab märkte und alles leben spielte sich auf der straße ab, selbst wenn es täglich monsunartig regnete. jeden tag gab es andere highlights. dienstag zum beispiel eine regionale fußballmeisterschaft, an der ich im team der gemeinde coca teilnahm - und wir haben sogar gewonnen. die bürgermeisterin hat ziemlich gezittert, weil wir gegen die provinzverwaltung erst im elferschießen gewannen. man muß dazusagen, daß zwischen regional- und provinzverwaltung ein erbitterter politischer kampf besteht, in dem es um verantwortlichkeiten und mehr geht. der provinzverwaltung wird schwerste korruption vorgeworfen. ich hab noch nicht so einen guten einblick, aber die bürgermeisterin von coca dürfte in diesem punkt recht frei von vorwürfen sein. (das ist gut, wenn man das hier von seinem arbeitgeber sagen kann :) - tja, am abend des selben tages gab es dann noch ein feuerwerk und wer hier in lateinamerika schon einmal ein feuerwerk gesehen hat, der weiß, wovon ich rede. das spielt sich mämlich nicht nur weit über den köpfen der leute ab, sonder auf deren köpfen und mitten unter den zuschauern. sicherheit hat hier eine andere bedeutung. am mittwoch war dann der president hier zu besuch und es gab eine 3 stündige parade von schulklassen in militärischer manier, die von ihm abgenommen wurde (ich hab ihn mit meiner kamera eiskalt gelangweilt gähnend erwischt - wer kanns ihm verübeln, ich war nach 3 klassen auch nicht mehr sehr interessiert). danach gab es eine zeremonielle feier, bei der in kämpferischer manier politische reden geschwungen wurde. wenn all das, was hier gesagt wurde auch wirklich realisiert wird, dann sieht das land rosigen zeiten entgegen. ob der politische wille mancher "regenten" hier aber auch in die realität umgesetzt wird, das wird sich noch zeigen. die ersten 100 tage der neuen regierung zeichnen kein gutes bild. die ökonomische zahlen sehen zwar nicht so schlecht aus, immerhin ist die inflation "nur noch" bei 10% (die wirtschafter unter euch können das "nur noch" vielleicht interpretieren, denn immerhin reden wir hier von einer dollarinflation, was bedeutet, daß die preise teurer werden, ohne durch währungsabwertung auch nur das geringste dagegen tun zu können). die tägliche realität der menschen sieht aber anders aus, denn wenn man hier von einem durchschnittlichen stundenlohn von weniger als einem dollar ausgeht und daneben die mindestausgaben für lebensmittel bei einer armen (!!!) 4köpfigen familie bei über 270 dollar monatlich liegen (das sind die zahlen, die das statistische zentralamt in den letzten tagen veröffentlicht hat), dann stell sich mir die frage jeden tag, wie die menschen hier ihr überleben finanzieren. ein paar seiten weiter veröffentlicht die zeitung dann einen bericht über einen pfarrer, der gleichzeitig seine "heiligkeit" dazu benutzt einen korruptionsring zu verwalten. er hat in den letzten jahren im rahmen von "zolltätigkeiten" mehr als 700 mio dollar korruptionsgelder kassiert. und nun dürft ihr raten, wohin dieser gute herr geflüchtet ist, nachdem die geschichte bekannt wurde: ...... nein, falsch geraten, nicht in den vatikan .... in die USA .... die haben auf der anderen seite zur gleichen zeit ecuador wieder einmal beschuldigt, daß sie zu wenig gegen den terrorismus unternehmen. von den zollgeschäften des herr pfarres haben sie selbst wahrscheinlich am meisten profitiert und somit ist das legalisiert. aber ich bin ja schon wieder ganz woanders. die ironie, mit der hier der täglich kampf geführt wird, ist nur unbegrenzt und verleitet mich täglich wieder zum nachdenken. ich wollte eigentlich noch über die arbeit schreiben. seit einer woche ist es nun ja offiziell, was schon seit mehrerer monaten beschlossene sache ist: horizont3000 zieht sich aus ecuador zurück. angesichts der viel gravierendener probleme in anderen ländern verliert ecuador seine unterstützung. das hat auch dazu geführt, daß mein projekt überdacht werden muß, denn es wurde etwas überhatsig formuliert und kann in 2jähriger arbeit so unmöglich realisiert werden. ich habe das erste monat nun also damit verbracht, die stadt und die struktur bzw. arbeitsweise des municipios kennenzulernen. nächste wochen kommen dann die "chefs aus quito" um mit den autoritäten zu verhandeln und neue ziele zu formulieren. das wird wahrscheinlich auch bedeuten, daß ich in einer anderen abteilung arbeite und die uferpromenade nur noch ein nebenprojekt sein wird. ob die jemals finanziert wird, steht sowieso in den sternen - wurde allerdings bei den festreden auch erwähnt. - diese mögliche änderung bedeutet aber auch, daß ich im ersten monat in meiner arbeit noch sehr unorientiert war. es gab weder einen schreibtisch noch einen computer für mich und mein chef war vollends mit anderen dingen beschäftigt, vor allem mit vorbereitungen für die fiesta. alles in allem ein turbulentes monat also. ich hoffe, daß der mai etwas ruhiger wird. im anhang findet ihr 3 fotos. mehr gibt es auf der fotoseite in neuem design. machts gut roland Aufgerufen: 690
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