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 Monday, 6. February 2012
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Haus in Coca + Blut für Öl (AEIOU ++ 2003.5)

Ein Haus in Coca + Blut für Öl

etwas verspätet eine zusammenfassung des letzten monats!

die übersiedlung in das neue haus ist wohl die positive nachricht dieses monats. nach vielen interventionen und selbsorganisation von arbeitern, wurde das haus, das ich bereits seit anfang april gemietet habe, doch fertig und ich konnte mitte mai umziehen. es regnet zwar noch immer durchs dach herein, was während der regenzeit in den monaten mai-juni ständig zu problemen führt. aber damit werde ich jetzt wohl noch einige zeit leben müssen. positiv ist, daß die stellen an denen das wasser durchs dach dringt doch meistens die gleichen sind und ich so meine möbel derart anordnen konnte, daß zumindest kein größerer schaden entsteht.

die arbeit hat auch so richtig begonnen und damit haben sich auch die ersten schwierigkeiten gezeigt. nach sehr kurzer zeit hat sich herausgestellt, daß ich das, was ich eigentlich umsetzten soll in der derzeitigen konstellation der abteilung, in der ich arbeite, gar nicht realisieren läßt. nach vielfachen interventionen mußte ich mir erklären lassen, daß die abteilung bei vielen projekten nur für die planung der architektonischen details zuständig ist. mein auftrag ist es diese planungen in der zukunft mit beteiligung der bürger durchzuführen. ich stoße dabei aber auf konstanten widerstand, den ich auch verstehen kann. die architekten, mit denen ich arbeite, bestehen darauf, daß sie als professionalisten diesen teil eines projektes eigenständig umsetzen. ein projekt wird hier in (zumindest) 3 teile geteilt. die analyse und erste ideen werden von verschiedenen abteiligungen durchgeführt, in denen ich nicht arbeite. dann kommt der auftrag in die planungsabteilung, wo, wie schon gesagt, meist nur architekonische details durchgeführt werden. die planungsabteilung gibt das (fertige) projekt dann an die ausführende abteilung ab, in der ich wieder nicht arbeite. zwischen all diesen abteilungen gibt es dann noch den "gemeinderat" und die bürgermeisterin, die städig intervenieren. angeblich zugunsten der bürger. das ganze ist aber nur politisch motiviert und hat mit stärkung der bürger nur dann zu tun, wenn sie der "richtigen" partei angehören. die ganze gemeindeverwaltung ist verstrickt in intrigen und politische zänkereien. jeder abteilungsleiter versucht seine ideen umzusetzen und so kommt es nach jedem der 3 schritte (analyse, planung, ausführung) zu änderungen, je nach gusto des jeweiligen direktors. ich blicke meistens nicht durch - und ich glaube, den bürgern geht es genauso.
in den letzten wochen habe ich nun versucht meine abteilung dazu zu bringen, die projekte und ideen mit anderen abteilungen besser su organisieren, aber .... nicht ganz unerwartet, hatte ich keinen erfolg. gleich beim ersten projekt, bei dem wir versucht haben, andere abteilungen und beteiligte organisatoren plus institutionen einzubinden, bin ich kläglich gescheitert.
hektor, einer der architekten, hat ziemlich frustiert klein beigegeben und sich auf das architektonische reduziert, um weitere konfrontationen zu vermeiden.
von den "großen" projekten (in meinem antrag groß als "meilensteine" für die zukunft der stadt bezeichnet), uferpromenade und umwelt-ökologie-park (wie auch immer man das direkt ins deutsche übersetzt: parque ecologico) ist schon lange nicht mehr die rede. ob sie jemals realität werden, steht in den sternen.
ich habe weder schreibtisch noch computer zum arbeiten und habe mir so wieder angewohnt zu papier und kugelschreiber zu greifen. eine interessante erfahrung, muß ich zugeben, denn ich habe gemerkt, daß ich auch schon sehr an die "neuen medien" gewöhnt war. eine änderung dieses zustands wird jeden tag in aussicht gestellt, aber das hab ich auch schnell gelernt, daß ich darauf vielleicht noch monate warten muß.

klingt alles recht frustrierend und ich muß auch zugeben, daß ich sehr oft am abend frustriert nach hause komme. dann hilft mir gute musik und ein fantastischer sonnenuntergang, den ich von meinem garten aus mit ausblick auf den vulkan sumaco und die berge der anden sehe, dabei, abzuschalten und die zeit hier zu genießen. da ich mich in meinem kleinen häuschen nun auch schon recht "zuhause" fühle, werke ich fast jeden tag in meinem garten herum. die nachbarn beobachten mich immer mit größter verwunderung, weil ich unliebe pflanzen nich einfach mit chemie beseitige, sondern mit der hand samt wurzeln ausreise. so bin ich in meinem viertel eine der wenigen, der noch etwas grün vor seinem haus hat. am wochenend versammeln sich dann immer die kinder der umgebung und helfen bei der arbeit. sie kommen mit echt guten ideen und ich bin total froh um jede hilfe. manchmal habe ich allerdings schon ein schlechtes gewissen, weil die arbeit oft nicht sehr leicht ist.
dann gibt es aber doch immer wieder eine möglichkeit, sich zu revanchieren, sei es durch einen gemeinsamen besuch im schwimmbad, oder eisessen, ....

tja, da wär ich dann schon bei meinem haus. es ist viel zu groß für mich alleine, denn ich habe 3 zimmer, ein großes wohnszimmer, küche und bad. so widersprüchlich das klingt, aber es war das billigst, was ich hier finden konnte. es ist ein wenig außerhalb des zentrums und jetzt, wo der flughafen wieder offen ist zischen die kleines düsenflieger 2 mal am tag über meinen kopf. ich wohne genau am ende der lande- und startbahn. zum glück arbeite ich meist, wenn sie starten. der neue flughafen hat aber auch seine vorteile. die reise nach quito (die ich nur wenn es nötig ist mache, da ich mich in coca echt wohlfühle) dauert so nur mehr 25 minuten, statt 12 mühsamen stunden im bus auf schrecklichen schotterstraßen. ein echter luxus, natürlich auch kostenspielig.

und das bringt mich gleich noch zu einem anderen thema:

!! achtung liebe österreicher !!!
schon bald habt ihr auch etwas mit coca direkt zu tun. vor 2 wochen hatte ich besuch von 3 mitarbeitern von global2000 (www.global2000.at). sie waren hier um die situation der ölproduktion in der zone rund um coca zu untersuchen. eine österreichische firma wird demnächst hier in der gegen auch öl fördern.
viele leute hier kämpfen gegen die art und weise, wie öl gefördert wird an, mich eingschlossen. es geht um das "wie", nicht um das "daß", denn soweit bin ich auch realisitisch, daß wir alle öl brauchen und daß eben gerade hier in ecuador sehr viel zu finden ist. das problem ist nur, daß das öl genau im tieftsen regenwald versteckt ist, dort, wo die natur noch in takt ist und indigene gruppen wohnen, die teilweise noch nie kontakt mit der "zivilisation" hatten und diesen auch kategorisch verweigern. gerade vor 2 wochen ist es hier zu einem zwischenfall gekommen, der 26 tote indigene (taromenane) zur folge hatte. die täter waren eine andere gruppe von indigenen (huaorani). zuerst hat es so ausgesehen, als ob es sich um einen konflikt zwischen indigenen selbst handelt, den es bereits seit jahrzehnten, oder länger gibt. doch mehr und mehr kommt ans tageslicht, daß holzarbeitern ihre hände im spiel hatten. holzfirmen sind vielfach vorbereiter für die förderung von öl. abseits davon wurde auch bekannt, daß vor ca. 3 monate ein "genozid" an einer anderen gruppe von indigenen (tagaeri) zu einen grausamen ende gekommen ist. die letzten von einer gruppe von 140 tagaeri wurden ermordet. der druck auf die indigenen gruppen der zone wird täglich größer. das ganze spielt sich im einflußgebiet eines nationalparks (yasuni) ab. dort haben die indigenen gruppen ein reservat, das ihnen nahezu uneingeschränkte rechte zugesteht. die einzige einschränkung, die sie haben ist der schutz der natürlichen resourcen. die öl- und holzfirmen ignorieren diese regelungen und locken die indigenen gruppen, denen oft der einblick in die komplexen zusammenhänge der wirtschaft fehlt, mit unwiderstehlichen angeboten, z.b. mit der "lösung ihrer internene konflikte". zu dieser lösung statten sie einige gruppen mit gewehren aus - offiziell zur jagd.

die zeit für euren beitrag zur lösung dieser konflikte wird kommen. wenn es soweit ist, hoffe ich auf eure zahlreiche unterstützung.

es ist wieder einmal viel zu lange geworden - sorry hasi - und wie sooft, bliebe noch soviel zu erzählen, z.b. ......
.... aber nein, diese nachricht spare ich mir fürs nächste mal auf

liebe grüße an euch alle
roland

© DIeRDe


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