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 Monday, 6. February 2012
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1 Monat Buenos Aires

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Der Botanische Garten im Frühlingserwachen
  Das erste Monat in Buenos Aires ist wie im Fluge vergangen. Wir haben eine Wohnung bezogen und es uns gemütlich gemacht. Die Umstellung war für alle 3 gar nicht so schwierig. Das Wetter hat sein Übriges dazu getan. Wer kommt nicht gern nach einem Sommer in Europa in den Frühling der südlichen Halbkugel?

Die Stadt hat uns von Beginn an willkommen geheißen. ... U-Bahn, Einkaufsstraßen, Leute mit Handys ... all das ist hier nicht anders als bei uns. Ob das gut so ist, oder uns das so wichtig ist, kann ich noch gar nicht sagen. Es war einfach nicht so ein großer Wechsel von Wien nach Buenos Aires als bei früheren Reisen nach Lateinamerika. Wir "kippten" also schnell wieder in den Alltag.

Nach der anfänglichen Euphorie nach 2 Jahren Österreich wieder in Lateinamerika zu sein, stellte sich nun auch wieder Alltägliches ein. Ich sehe Buenos Aires mit einer sehr gespaltenen Meinung. - Ich muss aber vorrausschicken, dass ich Großstädten gegenüber zum Wohnen immer kritischer gegenüber stehe. - Einerseits ist da eine moderne, sehr lebendige Stadt, die einem alles bietet, was man von einer Stadt verlangt. Es gibt eine vielfältige kulturelle Szene, Freizeitangebote, Parks und Einkaufsstraßen. Es gibt Geschichten und Geschichte, politisches Leben in Palästen und auf der Straße.

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Das Theatro Colon kurz vor der vorübergehenden Schließung
Eine bunte Mischung aus Wohnen und Business. Und natürlich auch Armut, Hunger und Elend - wie in sovielen Städten sieht man diese aber kaum, wenn man durch die Straßen geht, von einigen bettelnden Personen abgesehen. Dies war auch mein erster Eindruck ... ein sehr positives Bild. Die am besten organisierte Stadt Lateinamerikas, die ich bisher kenne.

Nach einiger Zeit habe ich dann auch begonnen ein wenig hinter die Kulissen zu schauen. Cartoneros (oder Karton- bzw. Altpapiersammler) und ein Zug, der ein wenig gespenstisch (weil sehr alt und irgendwie zwischen Güterzug und ausrangiertem Personenzug) durch die Stationen der lokalen Bahn fährt, haben mein Interesse geweckt.

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Cartoneros bei der Arbeit
Sie ziehen jeden Tag durch die Stadt und durchstöbern den Müll nach verwertbarem Papier und Kartons, die sie dann auf riesen Karren zur nächsten Haltestelle der lokalen Bahn transportieren. Dort warten sie dann auf den Zug, der scheinbar speziell für diesen Zweck eingerichtet wurde und transportieren das gesammelte Material zu einer Sammelstelle. Sie verdienen damit etwa €2,50 pro Tag (10 Pesos). Dass man damit hier kaum in Würde leben kann, ist offensichtlich. Was aber vielleicht nicht so offensichtlich ist, ist, dass diese Leute nicht etwa Bettler oder ungebildete Leute sind, wie man oft vorschnell meinen mag. Viele dieser Personen haben während der Krise hier in Argentinien in den Jahren 2001-2002 (die allerdings bis heute Auswirkungen hat) alles verloren. Damals wurden von einem Tag auf den anderen alle Konten gesperrt und das Geld für die Rückzahlung der Auslandsschulden verwendet. Gleichzeitig wurde die Währung abgewertet. Alle, die ihr Geld nicht schon vorher abgehoben haben oder in Dollar gespart haben (und das waren nur diejenigen, die der damaligen Regierung von President Rua nahestanden und daher von der bevorstehenden Krise wussten), verloren teilweise ihr gesamtes Vermögen. Eine Praxis, die hier in Lateinamerika nicht einzigartig ist. In Ecuador passierte das Gleiche bspw. im Jahr 2000.
40.000 dieser Cartoneros gibt es laut einem Bericht von indymedia (hier der link für die die mehr darüber wissen wollen und spanisch können) in Buenos Aires und die Recycling-Firmen machen eine gutes Geschäft damit. Wie so oft sind sie es, die die großen Gewinne mit der Not anderer Menschen machen.

Es gäbe hierüber noch soviel zu schreiben, aber Sebastián rührt sich schon wieder in seinem Wagerl, was bedeutet, dass er bald aufwacht. Daher beende ich diesen Eintrag ins Tagebuch an dieser Stelle, da ich nicht weiß, wann ich das nächste Mal dazu komme. Vielleicht gibt es an anderer Stelle noch einmal Gelegenheit über diese Stadt und ihre Menschen zu sinnieren.


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