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Der Sommer ist endlich eingekehrt in Bariloche. Das Thermometer steigt
auf 25-30 Grad und die Straßen werden von Tag zu Tag belebter. Uns
zieht es natürlich auch immer öfter raus aus unserer Wohnung. Gestern
besuchten wir eine Schweizer Kolonie nahe Bariloche. Der Ort heißt zwar
noch "Colonia Suiza", aber Schweizer haben wir keine getroffen.
Vielmehr wird die Gegend seit einiger Zeit intensiv touristisch
genutzt.
Die Kolonie wurde Ende des 19. Jhdts von Schweizern gegründet, die
vorher bereits etwa 10 Jahre in Chile gelebt haben und dem Angebot von
Land in Argentinien gefolgt sind. Sie gründeten ihre Kolonie am See
Moreno nahe Bariloche, der heute zu den touristischen Höhepunkten der
Region zählt. Bevor wir uns auf den Weg machten, holten wir uns noch
einige Informationen bei Graciela, unserer Nachbarin, mit der wir das
Haus teilen, ein. Sie kennt die Gegend sehr gut und ist total
hilfsbereit. Ein Informationsbüro quasi im Haus ;-) ... sehr praktisch.
Um 8:10 sollte der Bus abfahren. Wir hatten nur einen Fußmarsch von
etwa 15 Minuten zum Bus und so brachen wir kurz vor 8 auf. Wenige Meter
vor der Bushaltestelle, brauste ein Bus an uns vorbei. Ein Blick auf
die Uhr sagte 8:07. Das konnte doch nicht unser Bus gewesen sein? ...
Von dieser Mischung aus Europa und Lateinamerika in Argentinien habe
ich ja schon geschrieben. Pünktlichkeit und Zeitgefühl gehören auch zu
dieser Mischung. Unsere kurze Panik war also gleichzeitig begründet und
umsonst. Zweiters hat sich dann bestätigt ... der Bus kam um etwa 8:30
... ufff. Kurz bevor der Bus kam, krachte es noch kräftig in Sebastiáns
Windeln. Nach kurzem Überlegen und nachdem der Geruch schon kräftig in
unsere Nasen stieg, beschlossen wir, ihn noch an der Bushaltestelle zu
wickeln. Natürlich musste es so kommen ... wir hatten Seba kaum
ausgezogen, da bog auch schon der Bus um die Ecke. Halbangezogen und
mit voller Windel stiegen wir also in den Bus und hofften, dass sich
niemand davon belästigt fühlt.Der Bus war rammelvoll und der Geruch
ging ziemlich schnell unter im Geruch von Schweiß und Auspuffgasen.
Seba kuschelte sich zu Heike und war bald eingeschlafen. Wir kurvten
mit dem Bus durch die Gegend, passierten zig Schilder, auf denen
Colinia Suiza stand, die Gäste wurden weniger, aber ... wann sind wir
denn nun in Colonia Suiza? Kurz bevor wir wieder auf die Asfaltstraße
kamen, meldete sich Sebastián wieder und brachte sein Frühstück zum
Vorschein. Diesmal über die andere Öffnung. Heikes Sitznachbar bekam
einen Teil davon ab und der Großteil ging auf Heike selbst. Nun war ein
gewisser unangenehmer Geruch auch nicht mehr zu verbergen. Der
Busfahrer fragte uns dann einmal, wo wir denn eigentlich hinwollten,
und erklärte uns dann, dass wir eigentlich schon viel zu weit sind und
er jetzt wieder umdrehen wird. Er ließ uns dann etwa 3 km vor Colonia
Suiza aussteigen. Wir konnten nun endlich Sebastián fertig wickeln und
Heike konnte sich ihrer mit Sebastiáns Frühstück bedeckten Kleidung
entledigen...  Blick auf den See Nahuel Huapi und das Hotel Llao Llao Ihr fragt euch nun wahscheinlich schon, was an
diesem tag denn nun perfekt war? Es beginnt jetzt ... Nachdem wir nun
also auf der Straße standen, sauber und gut gelaunt, erinnerten wir uns
an einen Bericht in einem Magazin, der von einem tollen Panoramablick
berichtete, der in der Nähe sein sollte. Wir marschierten also los. Von
Nähe konnte zwar keine Rede sein, aber nach etwa 6 km kamen wir
tatsächlich an und waren ... überwältigt!!! Es war der Ausblick auf die
Seen Moreno und Nahuel Huapi und dazwischen das Hotel Llao Llao. Ein
Bild, das in nahezu jedem Reisebericht über Patagonien vorkommt und
meist großartig aussieht. In Wirklichkeit war es aber viel
überwältigender als auf den Fotos (oder trübt mich die Erinnerung nach
einer etwas misslungenen Anreise?). ich kann euch leider auch wieder
nur ein Foto davon zeigen.
Nach einer ausgiebigen Rast und einer kleinen Jause machten wir uns
dann auf den Weg nach Colonia Suiza. Wir wußten nicht genau, wie viele
Kilometer uns jetzt davon trennten, denn wir bevorzugten, einen anderen
Weg zu gehen. Nach einigen Kilometern Weg - wir waren noch immer gut
gelaunt und Sebastián stapfte fleißig dahin - blieb ein
"Ameroargentinier" (also ein in den USA lebender Argentinier) stehen
und bot uns an, uns mitzunehmen. Wir nahmen ohne zu zögern an und kamen
rasch zu unserem Ausflugsziel. Da es in der Zwischenzeit Nachmittag
geworden war, beschlossen wir endlich Forelle essen zu gehen. Wir
hatten vorher schon so oft gehört, dass dieses Essen eine der
Spezialitäten hier sei und wurden auch keineswegs enttäuscht.
Weil der Tag schon so perfekt war, beschlossen wir nach dem Essen,
einen Großteil des Weges zu Fuß nach Bariloche zurückzulegen. Auf einer
Karte war ein Weg eingezeichnet, abseits der Hauptstraße auf der
Rückseite des Sees, den wir nehmen wollten. Nach etwa 15 km sollte man
dann wieder auf die Hauptstraße kommen.  Militärzone zum Landschaft genießen? Da nach einigen
Kilometern Schotterstraße von einem Weg noch nichts zu sehen war,
mussten wir eingestehen, dass ein auf einer argentinischen Karte
eingezeichneter Weg keinesfalls nur für Wanderer ist, sondern durchaus
auch für Autofahrer geeignet ist. Es war zum Glück nicht viel Verkehr
und wir hatten eine schöne Wanderung. Ein Highlight auf der Wanderung
waren diverse Schilder, die das Gebiet als Militärische Zone auswiesen.
Direkt darunter stand dann "Genießen Sie die Landschaft" ... wir waren
uns nicht sicher, ob wir da etwas falsch verstehen ... sollte da nicht
drunter stehen "Betreten verboten!" oder "Achtung, verlassen Sie nicht
die Wege, hier wird scharf geschossen!"? Nein, wir sollten die
Landschaft genießen und das taten wir auch! Auf der Hauptstraße
angekommen (doch schon ein wenig erschöpft.  STOPP.... Seba stapfte
natürlich die meiste Zeit nicht mehr!) beschlossen wir, Auto zu
stoppen. Ich streckte also meinen Daumen raus und wir warteten.
Sebastián beobachtete mich eine Zeit lang, streckte dann auch seinen
Daumen raus und rief laut "Stopp!". Leider half uns das auch nicht. Es
wollte keiner stehen bleiben. Wir marschierten also weiter und nach
wenigen Kilometern überholte uns der Bus. Der Fahrer verlangte von uns
für die Rückfahrt mehr als für die Hinfahrt! Ich war etwas verwundert
... waren wir nicht bereits etwa 20 km gegangen? Oder hat sich etwa
Sebas Speibattacke schon herumgesprochen? Um uns zu beschweren, waren
wir aber schon zu müde und wir wollten uns auch nicht den "perfekten
Tag" vermiesen. Also genossen wir die Rückfahrt und kamen erschöft aber
glücklich zu Hause an.
EIN GUTES NEUES JAHR EUCH ALLEN :-)
PS: Fotos in höherer Auflösung gibt es im Menü "Fotos " -> Argentinien
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