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Die 70er, die sind ja allseits bekannt als das Jahrzehnt der großen Befreiung und folglich der großen Freiheit. Ich kann mich nur wage daran erinnern, denn ich nahm mir damals nur die Freiheiten meiner ersten Lebensjahre. Andere zogen damals aus in die große weite Welt und das bedeutete für viele Argentinier und Amerikaner: Auf nach El Bolsón ...
... El Bolsón liegt etwa 130 Kilometer südlich von Bariloche in einem
grünen Tal, das auf beiden Seiten von recht imposanten Bergen begrenzt
wird. Wie bereits erwähnt zog es in den 70er Jahren viele Hippies
dorthin, mit der Vision dort ihre kleine "andere Welt" zu bauen. Sie
bauten eine sehr weitläufige Stadt auf mit vielen Parks und Grünflächen
und gaben sich dort der Muse hin ... ok, der letzte Teil ist meine
Interpretation. Heute jedenfalls sind die Mehrzahl der Müsiggänger
Touristen. Seit etwa 8 Jahren wird kräftig investiert und jährlich
folgen mehr Touristen den Spuren der 70er, wenngleich diese nur noch 3
mal pro Woche zu finden sind, dann nämlich wenn die, die hinter der
Gründungsidee der Stdt zu stehen scheinen, aus ihren Werkstätten und
Ateliers kommen und ihre Produkte auf einem Markt im Zentrum feil
bieten.
Wir packten also wieder einmal unsere Rucksäcke und machten uns auf die
Reise. Am Busbahnhof von Bariloche sahen wir uns gezwungen wieder "Via
Bariloche" für unsere Fahrt nehmen zu müssen. Es gab zwar auch andere
Linien, aber dann hätten wir mehrere Stunden warten müssen. Widerwillig
gingen wir zum Schalter - besser gesagt, Heike ging zum Schalter, denn
ich wollte mir die Niederlage nicht eingestehen und dem Herrn am
Schalter, der damals meine Beschwerde entgegengenommen hatte, nicht das
Gefühl vermitteln, dass wir von ihnen abhängig sind ... grrr. Es sei an
dieser Stelle gleich erwähnt: wir hatten keinerlei Probleme (ist das
die endgültige Versöhnung?). Nach 2 kurzen Stunden Fahrt - wir haben es
uns erst gerade gemütlich gemacht und ich musste Heike und Sebastián
aufwecken, die wie so oft die Fahrt schlafend verbrachten (erinnert
mich irgendwie an Tommi in Island :-) Liebe Grüße!) - kamen wir in El
Bolsón an und wollten gleich weiter in die Berge. Das Ziel war der
Bosque Tallado, ein Landschaftspark mit Figuren, die im Laufe der Jahre
aus den Bäumen der Umgebung geschnitzt wurden. Der Park war leider
nicht so beeindruckend, wie wir nach der Beschreibung annahmen und
außerdem wurde Eintritt verlangt ... durchaus legitim ... aber war da
nicht irgendetwas von Leben ohne Zwang und in Einklang mit der Natur
... wieder meine Interpretation? Wir gingen also weiter in Richtung
Refugio Piltriquitron, wo uns ein schöner Aublick auf das Tal, in dem
El Bolsón liegt, die schneebedeckten Berge der Anden und so manchen See
erwartete. Der Blick versöhnte uns vollends und statt Holzskulpturen
genossen wir ein Sonnenbad auf einer Almwiese mit Blick auf das Inntal
... uuupps ... auf die "Hippiestadt" wollte ich sagen.
 Heike im Paradies ;-)
Die Nacht verbrachten wir im Sukal, einer Herberge etwas ausserhalb von
El Bolsón. Ein kleines Paradies, wie wir gleich bei unserer Ankunft
bemerkten. Die Besitzer sind erst vor 1 1/2 Jahren hierher gezogen und
haben das Grundstück ein wenig adaptiert. Es ist schwer zu beschreiben
... vielleicht aber am besten dadurch: wir zogen uns einfach die Schuhe
aus, spazierten durch die Wiese und nahmen den Duft der Kräuter und
Blumen, die hier für Seifen und Gestecke angebaut werden, auf, ließen
uns dann auf einer gemütlichen Bank nieder, ich mit einem Bier in der
Hand, Heike mit Wasser und Sebastián mit einigen Blumen und genossen
die Muse. Dazu gab es Erdnüsse und Seba war so relaxed, dass er bei all
der Entspannung die Schalen statt der Nüsse aß. Die Nacht war sehr
entspannend und Sebastián hat seit 2 Wochen die angenehme Angewohnheit
bis 8 Uhr zu schlafen, welch ein Luxus. Zum Frühstück gab es dann
Orangensaft, Trinkjoghurt, Café und Tee, etc. und danach schlenderten
wir wieder durch den Garten. Wenn ihr jetzt noch kein Bild von diesem
Ort habt, dann quartiert euch doch bei einem nächsten Besuch in
Patagonien im Sukal ein (klingt wie ein Werbespruch :-)
 Kind of Hippie Life
Am Samstag war dann Markttag. Und eigentlich dachten wir, dass neben
ein paar schönen Dingen auch sehr viel Kitsch angeboten wird und wir
relativ schnell durch den gesamten Markt durch sein würden. Dem war
aber nicht so. Wir aßen dort zu Mittag, machten dann auch noch eine
Rast, weil es schon anstrengend war und kauften erst ein, als wir den
ganzen Markt gesehen hatten. Keine Spur von Kitsch. Eine sehr positive
Überraschung. Den Rest des Tages verbrachten wir wie hunderte andere
Touristen und Einheimische im Park neben dem Markt, hörten Musik und
genossen einen warmen Sonnentag. Die Rückfahrt nach Bariloche verlief
wieder ohne Probleme. Sebastián und Heike fanden schnell ihre gewohnte
Position mit geschlossenen Augen und da ich die Landschaft bereits bei
der Hinfahrt gesehen habe, fand auch ich etwas Schlaf. Ein durchaus
gelungener Ausflug.
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